Privatpersonen, Vereine und Unternehmen können Tanz Bozen unterstützen – und damit einen wichtigen Beitrag zu einem hochwertigen Kulturangebot in unserem Land leisten. Bolzano Danza schafft über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg Gemeinschaft und lässt die verschiedensten Künste verschmelzen: von Architektur über Design und Musik bis zur darstellenden Kunst. Wer das Festival unterstützt, fördert gleichzeitig Kultur, Integration, Nachhaltigkeit … und Schönheit!
Kollision zweier Klangwelten
Veröffentlicht am 03.07.2025
- Interview
Zwei Werke, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten und doch eng miteinander verbunden. In Helikopter setzt sich der französische Choreograf Angelin Preljocaj mit der radikalen Musik von Karlheinz Stockhausen auseinander. Mit Licht, seiner neuen Kreation, antwortet er darauf mit einer tänzerischen Vision von Energie, Wandel und Hoffnung. Ein Gespräch über künstlerische Risiken, Utopien und das Erbe eines der kompromisslosesten Komponisten des 20. Jahrhunderts.
Interview: Agnès Izrine
Was hat Sie dazu bewegt, Helikopter auf Stockhausens Streichquartett zu choreografieren?
Im Jahr 2001 war ich auf der Suche nach etwas, das mich aus meiner gewohnten Arbeitsweise herausführt. Beim Stöbern in der Abteilung für zeitgenössische Musik entdeckte ich das Helikopter-Quartett. Ich war sofort neugierig, kaufte die Aufnahme und war fassungslos. Diese Partitur war völlig verrückt, scheinbar unmöglich zu choreografieren. Doch genau das war der Auslöser: In der Nacht wurde mir klar, wenn es unmöglich scheint, dann muss ich es versuchen.
Warum kombinieren Sie die Wiederaufnahme von Helikopter mit Ihrer neuen Kreation Licht im selben Abendprogramm?
Ich wollte Karlheinz Stockhausen ein persönliches Tribut widmen, fast so, als wollte ich noch einmal mit ihm kommunizieren, auf telepathischem oder medialem Weg. Er ist kurz nach unserer letzten Zusammenarbeit gestorben. Damals hatten wir Eldorado gemeinsam am Opernhaus in Paris gezeigt, ebenfalls im Rahmen eines Abends mit Helikopter. Unsere Gespräche über Kunst, Sprache und Komposition haben mich stark geprägt.
Hat diese Begegnung Ihre choreografische Arbeit beeinflusst?
Was mich besonders beeindruckt hat, war seine Radikalität, tief in seiner Persönlichkeit verankert, fast wie ein genetischer Code. Helikopter ist ein waghalsiges Werk, das er mit über 80 Jahren komponiert hat. Stockhausen ging immer Risiken ein, erfand sich ständig neu und wollte der Menschheit eine Botschaft hinterlassen: Gib dich nie mit dem zufrieden, was du kannst, sondern finde immer neue Wege. Das bewegt mich bis heute. Seine Musik erlaubt Freiheit, weil sie Überraschungen zulässt.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Helikopter und Licht?
Ich suche bei jedem Abendprogramm nach einer inneren Logik. Helikopter verlangt enorme Kraft, die darauffolgende Arbeit muss dem standhalten. Licht steht im Kontrast: hell, strahlend, fast wie ein Ausbruch aus dunklen Wolken. Eine Art Bild für unsere Zei: aufgeladen, widersprüchlich und doch voller Hoffnung.
Ist Licht also eine futuristische Utopie?
Wir leben in einer eher düsteren Phase, aber ich sehe darin auch Aufbrüche. Trotz aller Ängste entstehen Bewusstseinsprozesse, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Auch wenn konservative Kräfte zurückschlagen, das entscheidet nicht über den Ausgang dieser Auseinandersetzung. Wir stehen an einem Wendepunkt. Diese Spannung möchte ich in Licht spürbar machen.
Welchen Komponisten haben Sie für Licht gewählt – im Kontrast zu Stockhausen?
Stockhausen ist für mich der Großvater der elektronischen Musik. Ich habe unter seinen gedanklichen „Enkeln“ gesucht – und bin sofort bei Laurent Garnier gelandet, mit dem ich bereits gearbeitet habe. Er ist für mich ein direkter Erbe: Seine Musik hat eine Energie, eine Vision, ein Freiheitsversprechen – gepaart mit Respekt, Inklusion und Toleranz. Werte, die ich mit einer neuen Generation verbinde.
Mehr erfahren:
Helikopter und Licht von Angelin Preljocaj eröffnen das Festival Bolzano Danza 2025.
Zu Informationen zu den Aufführungen und Tickets finden Sie hier
Weitere news
-
Der Körper ist eine empfindliche Hülle
Wie kann man sich die Entstehung Ihrer Bühnenspektakel vorstellen, schließlich haben Sie ja sowohl bildende Kunst als auch Tanz studiert. Wenn wir eine Choreografie schreiben, ist das wie ein Film: Zuerst legen wir thematische Kapitel fest, danach entwickeln wir mit den Tänzerinnen und Tänzern im...- Interview
-
10 Jahre Teatro la Ribalta – ein Anlass zum gemeinsamen Feiern
Zehn Jahre sind vergangen, seit das Teatro la Ribalta – Akademie der Vielfalt in Bozen gegründet wurde, ein Ensemble, dessen Arbeit ebenso einizigartig wie besonders ist. Was können Sie uns zu diesem Geburtstag sagen, Antonio Viagnò? In diesem Jahr, 2023, wird das Teatro La Ribalta-Akademie...- Interview
-
Krump. Tanz als Emanzipation von der Gewalt
Maud Le Pladec, seit 2017 Leiterin des Centre Choréographique National in Orléans, debütierte 2010 – nach einer glänzenden Karriere als Tänzerin – als Choreografin mit dem Stück Professor, das mit dem Prix révélation chorégraphique du Syndicat de la critique ausgezeichnet wurde. Ihre Arbeit...- Interview




