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Performance

16/07/2018 - 21.00 Uhr - Stadttheater Bozen

HELENA WALDMANN

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Good Passports Bad Passports

- A borderline experience -


Choreografie und Konzept Helena Waldmann

Darsteller Sara Enrich Bertran, Antonia Modersohn, Tjorm Palmer, Enrico Paglialunga, Lysandre Coutu-Sauvé, Declan Whitaker, Carlos Zaspel und 22 freiwillige Mauerbauer

Dramaturgie und musikalisches Konzept Tobias Staab

Musik Mika Vainio, Arne Deforce, Jean-Philippe Rameau, Richard Wagner

Dauer ca. 60 min


Italienische Erstaufführung

 

Helena Waldmann ist für das Festivalpublikum keine Unbekannte. 2016 präsentierte sie ihre Arbeit Made in Bangladesh und zog darin Parallelen zwischen der wirtschaftlichen Ausbeutung von Textilarbeiterinnen in Bangladesch und den Arbeitsbedingungen in der westlichen Kulturindustrie. 2018 zeigt sie bei Tanz Bozen, in einer italienischen Erstaufführung, ihr jüngstes Werk: Good Passports Bad Passports. Im Mittelpunkt von Gute Pässe Schlechte Pässe – und ebenso zentral auf der Bühne – steht eine Mauer aus Menschen, die zwei sehr unterschiedliche Ensembles, eine zeitgenössische Tanzkompanie und eine aus der Welt des Nouveau Cirque, voneinander trennt. Waldmanns Protagonisten: dreißig Menschen – Tänzer und Akrobaten, Mauerbauer und Mauerschauer, Hiesige und Fremde. Auch wenn die Bühne sie eint, entstehen verschiedene Lager, verhärten sich die Fronten. Immer neue menschliche Demarkationslinien bilden sich, zwischen Tänzern und Akrobaten, aber auch ganz persönlich in unseren Köpfen. Die scheinbare Selbstverständlichkeit von Grenzen und des überkommenen Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts (François Mitterrand: “Le nationalisme, c'est la guerre“) führt zu der Frage: Was markieren Grenzen wirklich? Gerade in einer globalisierten Welt gilt: Je mehr die Tänzer und Artisten als zwei grundverschiedene Theaterkulturen dazu übergehen, sich spiegelbildlich in ihren Bewegungssprachen anzunähern, desto dringlicher ziehen sie ihre Grenzen. Die einmal errichtete kulturelle Differenz scheint umso nötiger zu werden, je deutlicher wird, dass die Grenze gar nicht oder nur virtuell existiert. Die Sehnsucht nach einer geschlossenen Gesellschaft führt zur Heiligsprechung ihrer eigenen Sprechweisen und ihrer eigenen Traditionen, sie insistiert auf eigene Körpertechniken, selbst wenn beide Nationen vor Minuten kein anderes Ziel kannten als ihre Grenzen zu überwinden. Der Pass, seine Gültigkeit, sein Ansehen, die Bewegungsfreiheit, die er garantiert oder nimmt, er ist nur der erste Repräsentant des Nationalismus, den wir alle mit uns führen. Dorion Weickmann schreibt in der Süddeutschen Zeitung über das Stück: „Waldmanns Inszenierungen sind politisch und poetisch, zärtlich und brutal, analytisch und doch von unaufdringlicher Schärfe. Verlässlich treffen sie den gesellschaftlichen Nerv, packen den Zuschauer bei allen Sinnen und fordern ihn mit wahnwitzigen Bildfindungen heraus.“


Nach der Aufführung findet ein Künstlergespräch mit  Helena Waldmann statt.

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